Naturwaldreservate

Höhlenbaum - Eiche

Foto: Natura 2000 Kartierteam Unterfranken

Aufgrund Art. 12a des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG) können natürliche oder weitgehend naturnahe Waldflächen als Naturwaldreservate (NWR) eingerichtet werden.

Sie repräsentieren die natürlichen Waldgesellschaften und dienen der Erforschung und Erhaltung dieser Wälder mit Sicherung der biologischen Vielfalt. Ausnahmlich aus Waldschutzgründen und zur gegebenenfalls nötigen Verkehrssicherung findet hier keine Bewirtschaftung und Holzentnahme statt.
Naturwaldreservat - was ist das?
Naturwaldreservate sind Wälder, die sich in einem weitgehend naturnahen Zustand befinden. Die natürliche Waldentwicklung läuft hier ungestört ab. Im Lauf der Zeit entstehen „Ur-“Wälder mit starken Bäumen und viel Totholz. In Bayern gibt es 159 Naturwaldreservate mit mehr als 7.000 Hektar Fläche. Für die Bayerische Forstverwaltung sind sie eine Art Freiluftlabor. Hier sammelt die Wissenschaft Daten über den natürlichen Wald und seine Entwicklung sowie über die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Die Daten liefern wertvolle Erkenntnisse für Forstleute und Waldbesitzer, wie sie ihre Wälder naturnah bewirtschaften können. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind diese Hinweise wichtig, damit auch in Zukunft gesunde und stabile Wälder in Bayern wachsen werden.

Naturwaldreservate - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Externer Link

Im Amtsbereich sind acht Naturwaldreservate ausgewiesen

     
     
     
     
     
     
     
     
     
Name Gebiets-Nr. liegt in der Kommune (Gemarkung) Eigentümer Fläche in Hektar
Deutschholz 134 Schonungen Staatswald 9,9
Mordgrund 156 Sand a. Main Staatswald 24,9
Riedholz 158 Schwebheim Kommunalwald 11,0
Stachel 119 Ebern Staatswald 23,3
Wildacker 135 Üchtelhausen Staatswald 16,4
Zwerchstück 152 gemeindefrei (Nonnenkloster) Staatswald 28,0
Böhlgrund 165 Knetzgau Staatswald 183,4
Kleinengelein 166 Wustvieler Forst Staatswald 53,7

Naturwaldreservat Böhlgrund

Das Naturwaldreservat Böhlgrund liegt im Vogelschutz- und FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwaldes“ im Landkreis Haßberge.
Das Reservat befindet sich im Staatswald und wird durch den Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten AöR betreut. Die 182,5 Hektar große Fläche wurde im Jahr 2010 als das größte Naturwaldreservat in Bayern außerhalb der Alpen ausgewiesen.
Das Reservat umfasst die tief eingeschnittenen Seitentäler südlich des Böhlbachs.
Die Geologie bestimmen die unteren Schichten des Steigerwaldkeupers mit den tonhaltigen und gipsführenden Esterienschichten und dem darüber liegenden Schilfsandstein. Durch die vielen austretenden Quellen haben sich frische, nährstoffreiche Tonböden gebildet. Allerdings sind die steilen Hänge sehr instabil und es kommt laufend zu Rutschungen.
Die tonigen und labilen Böden sind für die Buche, die von Natur aus viele Wälder in Bayern beherrschen würde, ein limitierender Faktor.
Daher können sich im Böhlgrund zahlreiche andere Baumarten an der Baumschicht beteiligen. Neben Traubeneiche, Hainbuche, Linde, Esche und Bergahorn finden sich hier auch seltenere Baumarten wie Elsbeere und Speierling.
Vegetation
Die Krautschicht in den Tal- und unteren Hangbereichen dominiert im Frühling der Bärlauch. Hinzu treten häufig Waldmeister, Knoblauchsrauke und Wald-Fiederzwenke. Aber auch seltenere Pflanzenarten wie Gefleckter Aronstab, Seidelbast und Zwiebel-Zahnwurz sind beteiligt.
Tiere und Pilze
Im Totholz leben die Larven des farblich sehr auffälligen und seltenen Netz-Rotdeckenkäfers und des Pechfüßigen Rindenschmalkäfers. Sie sind im Mulm und unter der Rinde der zersetzten Bäume auf der Jagd nach anderen Insekten. Mit ihrem lediglich bis zu 8mm großen Schneckenhaus ist die Kleine Bernsteinschnecke eine von zahlreichen Gehäuseschnecken in den feuchten Taleinschnitten.
Der seltene Samtige Pfifferling ist einer der vielen Mykorrhiza-Pilzpartner der Laubbäume.
Ständiger Gast der Laubwälder im Böhlgrund ist der Feuersalamander. Und gelegentlich finden sich an den meist noch jungen Baumstämmen auch bereits Spechthöhlen.
Die Wälder im Naturwaldreservat sind überwiegend gleichaltrig und dürften auf Großkahlschläge vor etwa 100 Jahren zurückgehen.
Viele alte Wege zeugen von forstlichen Nutzungen in früheren Zeiten. Waldkiefer, Lärche und Fichte wurden weit vor der Ausweisung des Reservats gepflanzt. Wegen der schwierigen Bodenbedingungen wurden viele Teile des Reservats schon seit über 50 Jahren nur noch ganz extensiv bewirtschaftet.
In regelmäßigen Abständen finden im Reservat forstliche Inventuren statt. Dabei soll die Entwicklung des Holzvorrats, des für viele Tier- und Pilzarten wichtigen Totholzes und der Verjüngung mit neuen Bäumen untersucht werden. Bei der letzten Inventur im Jahr 2010 konnte ein durchschnittlicher Holzvorrat von 352 Festmeter pro Hektar (fm/ha) ermittelt werden. Die Totholzmenge lag bei 25 Festmetern pro Hektar.
Bei der letzten Inventur im Jahr 2010 konnte ein durchschnittlicher Holzvorrat von 352 Festmeter pro Hektar (fm/ha) ermittelt werden. Die Totholzmenge lag bei 25 fm/ha.
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über das Naturwaldreservat Böhlgrund - zum Ausdrucken
Anfahrt und Rundweg
Das Naturwaldreservat lässt sich am besten vom Schlangenweg, einem gewundenen Steig, der durch das ganze Reservat führt, begehen. Beginn ist der Wanderparkplatz in der Böhlstraße in Zell am Ebersberg (von der Autobahn A70 kommend, die letzte Straße nach rechts). Der Rückweg ist über den Böhlgrundweg möglich.

Anfahrt im BayernAtlas - Geoportal Bayern Externer Link

Ansprechpartner

Klaus Kaufmann
AELF Schweinfurt
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