Landwirtschaftsschule Schweinfurt, Abteilung Landwirtschaft
Aus dem Schulleben

Landwirtschaft im Dialog

Bildschirmausdruck von mehreren Personen in einer Online-Konferenz
Immer weniger Verbraucher kennen einen Landwirt persönlich, ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat noch nie mit einem Bauern gesprochen. Gleichzeitig aber steigen die Anforderungen an die Branche. Wie Landwirten die Kommunikation mit der Gesellschaft, gerade über die Sozialen Medien wie Facebook oder Instagram gelingen kann, war Inhalt eines Projekts der Meisterschüler an der Landwirtschaftsschule Schweinfurt.
Laut einer Forsa-Umfrage würden 80 Prozent der Deutschen gerne mal mit einem Landwirt sprechen. Denn die Distanz zwischen Verbrauchern und Landwirten ist groß. Das Image der Bäuerinnen und Bauern allerdings wird in der Umfrage positiver beurteilt als das der Landwirtschaft im Allgemeinen.
Betrieb und Berufsstand darstellen

Öffentlichkeitsarbeit von landwirtschaftlichen Verbände wird von der Bevölkerung aber eher als Lobbyarbeit gesehen. Der Dialog muss daher persönlich und authentisch sein: vom Bauern direkt zum Verbraucher.
Das ist auch Klaudia Schwarz bewusst, Leiterin der Landwirtschaftsschule und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt. Ihre 23 Studierenden des ersten Semesters und die neun Meisterschüler des dritten Abschlusssemesters sollten daher im Rahmen der "Wertewoche" in einem zweitägigen Seminar lernen, wie sie mit Sozialen Medien sich, ihren Betrieb und damit ihren Berufsstand darstellen können.

Hemmschwelle überwinden

Rein digital – weil die Studierenden im coronabedingten Distanzunterricht waren – hielt Referent Stefan Luther seinen Social-Media-Workshop. Der studierte Landwirt hatte selbst die Meisterschule Schweinfurt besucht und betreibt heute die Marketingagentur "Authentisch&Green". Er weiß, dass Landwirte eine Hemmschwelle bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit überwinden müssen. Bedenken gebe es, wie dies wirtschaftlich messbar sei oder es nur Geld und Zeit koste, sagte er.

Ein Foto von sich selbst auf die Homepage des Betriebes zu stellen, falle manchen noch schwer, ergänzte Schwarz. Überhaupt: Vor der Kamera stehen, ein Video von sich zu drehen und das dann auf Instagram oder Facebook öffentlich einsehbar hochzuladen, davor haben auch die jungen Landwirte Respekt, zeigte sich im Workshop.

Tipps vom Profi

Ein Modul darin war, wie die Jungbauern mit Kritik umgehen können, beispielsweise von Spaziergängern am Feldrand beim Unkraut hacken. Im Rollenspiel übten die jungen Leute die Argumentationsführung. Der Tipp des PR-Fachmanns: Kritik ernst nehmen, auf die Kritiker zugehen, Emotionen herausnehmen, mit nicht zu vielen Fachbegriffen die Arbeitsweise am persönlichen Beispiel authentisch erklären. Denn oft geschehe Kritik aus Unwissenheit.

Für einen Social Media-Auftritt der Meisterschüler mit Bildern, Videos und Texten aus der eigenen Arbeit zogen die Studierenden den Onlinedienst Instagram gegenüber Facebook vor.

Als Gründe nannten die Studierenden:

  • Zwei Drittel lesen dort selbst mit, interagieren aber kaum.
  • Generell nutzen in Deutschland 21 Millionen Menschen Insta.
  • Die Zielgruppe dort sind junge Verbraucher und junge Familien mit Kindern.
#landwirtschaftrockt

"Wir müssen uns die Zeit nehmen und auf die Leute zugehen", war aus der Runde zu hören. Manche ältere Landwirte würden keinen großen Wert darauf legen, aber die jungen seien hier gefordert – und erhalten die Technikbausteine dazu.
Gemeinsam mit dem Referenten konfigurierten die Schüler ihren Instagram-Kanal, sammelten in Teilgruppen kreative Schlagworte für ihre Hashtags wie #meister_loading, #meinhofmeinetieremeinjob oder #landwirtschaftrockt.

Netzwerken

Oder sie überlegten Strategien, wie sie ihre Seite gut publik machen können: Über Inhalte in Stories, Verknüpfungen mit Whatsapp, Facebook oder Snapchat, über Verlinkungen mit der eigenen Betriebs-Homepage, Teilen in der Freundesliste, Einladungen an andere. "Netzwerken ist das Wichtigste", meinte der Referent.

Mut zum Posten

Zu ihren möglichen Inhalten via Bild oder Video und Text sammelten sie eine Bandbreite von Themen: Warum bin ich Landwirt? Woher kommt das Frühstücksei? Wie reagiert Landwirtschaft auf den Klimawandel? Dazu sollte sich jeder ein Drehbuch überlegen oder authentische Fotos des eigenen Betriebs aussuchen.
"Einfach mal ausprobieren", lautete die Aufforderung von Stefan Luther und Klaudia Schwarz. Sich trauen zu posten, Lust daran bekommen. Das taten denn auch die Studierenden: Sie wollen ihren bislang noch privaten Kanal auch öffentlich machen.

Weitere Aktionen und Veranstaltungen

Studierende der Landwirtschaftsschule informieren sich über Kiebitz, Ortolan, Schwertlilie & Co.

Schwertlilien
Der Sommerschultag an der Landwirtschaftsschule Schweinfurt im Juni 2020 stand im Zeichen des Naturschutzes. Die Studierenden interessierten sich für Maßnahmen, um den Naturschutz auf dem eigenen Betrieb zu integrieren. Im Rahmen des Schultages besuchten sie deshalb Schutzgebiete im Landkreis Schweinfurt.
Herr Benner von der Unteren Naturschutzbehörde informierte dabei zunächst über Wiesenbrüterflächen in der Gemarkung Herlheim. Gemeinsam wurden die Zeigerpflanzen der heimischen Feuchtwiesen bestimmt und anschließend verschiedene Pflegekonzepte der Flächen und Gräben erläutert.

Eine weitere Station war der Besuch des Geotops und Naturschutzgebietes "Sulzheimer Gipshügel". Die jungen Landwirtinnen und Landwirte besichtigten das Relief mit Gipsfelskuppen und Dolinen sowie die charakteristische Vegetation bestehend aus Federgras, Adonisröschen und Feldmannstreu. Dabei beschäftigten sie sich mit der Beschaffenheit und der Pflege von Pufferflächen am Rand von Biotopen.

Fließender Übergang als Lebensraum

Außerdem wurde die Bedeutung eines fließenden Übergangs von geschlossenen Wäldern zur offenen Flur als Lebensraum für verschiedenste Tierarten thematisiert. Bei der Besichtigung des Projektes "Am Hähnlein" galt die besondere Aufmerksamkeit dem Ortolan, mit dem sich die Studierenden bereits im Fach "Naturschutz und Landespflege" intensiv auseinandergesetzt haben.

Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz

Schließlich zeigte Herr Benner am Beispiel von artenreichen Flachlandmähwiesen und Pfeifengraswiesen, dass die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ein wichtiger Baustein ist, um typische und auch seltene Arten wie z.B. Pfeifengras, sibirische Schwertlilien und Mehlprimeln durch eine fachgerechte Mahd zu erhalten und zu fördern. Am Ende des Tages waren sich alle Teilnehmer einig: beide Parteien teilen eine Leidenschaft – die Natur.

Junge Landwirte spenden 650 Euro für das Blindeninstitut Würzburg

Ehemalige Studierende der Landwirtschaftsschule Schweinfurt spendeten insgesamt 650 Euro aus ihrer Klassenkasse und aus Mitteln des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung an das Blindeninstitut Würzburg. Das Geld soll dem Garten- und Obstbau dort zugutekommen. "Der Bezug zur Natur ist ganz wichtig für die seh- und mehrfachbehinderten Menschen, die bei uns leben, lernen und arbeiten", erklärt Barbara Knötgen, Leiterin der Förderstätte des Blindeninstituts Würzburg. Gerade wenn der visuelle Sinn eingeschränkt sei, seien andere Reize wie der Duft von Blumen, das Zwitschern von Vögeln oder das Spüren von einem Luftzug von besonderer Bedeutung. Für sie sei deshalb klar, dass die Spende der jungen Landwirte im Bereich Garten- und Obstbau auf dem Gelände des Blindeninstituts genutzt werden soll.

So freut sich die Gartengruppe über diverse Gartengeräte, Obstpflücker und die Mitarbeitenden der Bentheim Werkstatt können weitere Nistkästen und Insektenhotels fertigen, die in der Grünanlage angebracht werden sollen. Außerdem sucht Barbara Knötgen nach einer Möglichkeit, noch mehr Bewohner in die Apfelernte einzubeziehen und will hierfür nun eine spezielle Leiter anschaffen.

Erfahrung Dunkelraum

Stellvertretend für ihre Klassenkameraden waren Simon Oppmann, Peter Reitz und Michael Keidel gemeinsam mit Schulleiter Herbert Lang und Karoline Schramm vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt nach Würzburg gekommen, um die Spende zu überreichen. Bei einer Führung durch den Dunkelraum des Blindeninstituts konnten sich die fünf Besucher in die Welt eines blinden Menschen hineinversetzen und ihre Umwelt im Dunkeln nur durch Tasten, Hören, Schmecken und Riechen erfahren. Von besonderem Interesse war für die jungen Landwirtschaftsmeister auch die Bepflanzung des Geländes. Obstbäume wurden ebenso inspiziert wie die neu angelegten Bienenwiesen und der Schulgarten mit Insektenhotel.

Schulabschluss

Abschulschlussfeiern

Abschluss der Landwirtschaftsschule Schweinfurt
"Meister des Dialogs"

Grppenfoto vor BergkulisseZoombild vorhanden

Gruppenfoto im Herbst 2019

Seit 1923 gibt es die Landwirtschaftsschule in Schweinfurt. Ihren 94. Jahrgang musste sie in Abwesenheit verabschieden.
19 Anwärter waren in die dreisemestrige Ausbildung gestartet, und 17 haben das Ziel Staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau erreicht. Neun der Studenten haben bereits ihre Teile zur Meisterprüfung absolviert. Nachdem der Unterricht und die Abschlussprüfungen gerade noch regulär durchgeführt werden konnten, wurde die für März geplante Abschlussfeier auf den Beginn des neuen Semesters im Oktober verschoben. Den Studierenden wollte die neue Schulleiterin Klaudia Schwarz nach dem abrupten Schulende im Frühjahr noch einen schönen Abschluss bereiten, der wegen der aktuellen Corona-Auflagen leider auch nicht stattfinden konnte.

Die Semesterbesten - mit drei Studierenden auf dem zweiten Platz

  • Semesterbester: Simon Schech, Grettstadt, Lkr. Schweinfurt
  • Zweitbeste: Elisabeth Raber, Geiselwind, Lkr. Kitzingen
  • Zweitbester: Jonas Benkert, Salz, Lkr. Rhön-Grabfeld
  • Zweitbester: Fabian Weingart, Schraudenbach, Lkr. Schweinfurt
  • Drittbester: Christoph Sterk, Großlangheim, Lkr. Kitzingen

Neben vielfältigen Lehrinhalten wurden die Studierenden weit über das Fachliche hinaus fit gemacht für die Zukunft. Dem scheidenden Semester wurde breites Interesse und große Aufgeschlossenheit an gesellschaftlichen Themen bescheinigt. So kam es im Verlauf der Schulzeit dazu, dass das Semester dem Thema Biodiversität gegenüber immer aufgeschlossener wurde. Letztlich war es eine stattliche Zahl von fünf Semesterarbeiten, die sich dem Thema Naturschutz und Biodiversität angenommen haben. Die Studierenden schrieben nicht nur die Arbeit, sondern informierten selbsttätig die Presse und machten damit Öffentlichkeitsarbeit. Das war im bayernweiten Vergleich eine großartige Leistung, so Dr. Reinhard Bischoff, Lehrkraft im Fach Naturschutz und Landschaftspflege.

"Meister des Dialogs"

So lautete das vorbereitete diesjährige Motto zur Abschlussfeier der Landwirtschaftsschule Schweinfurt. Denn nicht die Landwirte allein, wir alle tragen Verantwortung: die Landwirtschaft, Kommunen, Beratung und die Verbraucherschaft. Dialog ist damit sehr wichtig. In der Wertewoche und in einem zweiten Schulprojekt mit Schülern der 11. Klasse der Walter-Rathenau-Schule hatten die Studierenden Verantwortung gegenüber den Fragen der Schüler übernommen und sich im Dialog bewährt: "Landwirtschaft ist moderner als ich dachte!", "Die Darstellung der Landwirtschaft in den Medien stimmt ja gar nicht mit dem tatsächlichen Bild überein!" oder "Es stecken auch Menschen hinter den Produkten. Das ist einem gar nicht so bewusst, wenn man die Produkte an der Ladentheke kauft." Solch positive Rückmeldungen hat sie zu ihrem Semestermotto ermutigt.

Einen guten Dialog zu führen ist nicht immer einfach. Im Dialog muss sich jeder oder jede immer wieder selbst hinterfragen, ob er oder sie verständlich spricht. "Redet jemand von der Nutzungsdauer einer Kuh oder klänge nicht besser von ihrer Lebensleistung zu sprechen?" so Klaudia Schwarz, guter Dialog geschehe auf Augenhöhe. Wir müssten miteinander reden, das "klingt so einfach, ist manchmal aber ein Wagnis: Wer wirklich die Ohren auftut und sich auf den anderen einlässt, riskiert damit immer auch, dass die Welt nachher anders aussieht als vorher." Die Schulleiterin wünschte den Absolventen selbstbewusst, aber wertschätzend zu kommunizieren. Der Berufsnachwuchs sei nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Die Absolventen hätten gezeigt, dass sie Landwirtschaft mit richtig viel Herz machen. Das werden die Dialogpartner spüren. Vertrauen sei der Schlüssel zu mehr Wertschätzung und damit zum Erfolg.

Buchpreise vergeben

Immer ein offenes Ohr hat Schulaufwandsträger und Fachschulbeiratsvorsitzender Landrat Florian Töpper. Er beglückwünschte die Studierenden ebenfalls und lobte, dass die Verbundenheit der Absolventen zum Amt und zum Landkreis über die Jahre bestehen bliebe. Die fünf Besten (es sind dieses Mal drei auf dem zweiten Platz) wurden, wie jedes Jahr, mit einem Buchpreis des Landkreises geehrt.

Preisgeld für die besten Wirtschafterarbeiten

Die Studierenden sind offen für neue umweltfreundliche Technologien. Sie haben in Wirtschafterarbeiten neue betriebliche Überlegungen angestellt, in Arbeitsprojekten etwas ausprobiert und übernehmen das im Erfolgsfall. Die besten Wirtschafterarbeiten (beide Note 1) wurden vom VLF im Namen des Bezirksvorsitzenden Matthias Ruß mit einem Preisgeld ausgezeichnet: Christian Voltz aus Schernau und Christoph Sterk aus Großlangheim, beide aus dem Landkreis Kitzingen.

Schulschlussfeier 2019 unter dem Motto: "Unsere Natur - in guten Händen"

Schulschlussfeier Semester 2018/2019Zoombild vorhanden

Semester 2018/2019

18 Studierende sind 2017 gestartet. 13, darunter 3 Frauen, waren erfolgreich und sind auf dem Weg zur Meisterin bzw. zum Meister. Das Abschlusssemester 2018/19 war ein Semester der Vielfalt: Betriebsgrößen von 7 bis 320 Hektar sowie Ackernutzung von Getreide über Arzneimittelpflanzen bis zum Meerrettich. Auch die Tierhaltung war vielseitig vertreten.

Abschlussfeier 2018: Menschen ernähren statt Medien füttern

Alle 18 Studierenden, darunter zwei Frauen, haben es im 95. Jahr der Landwirtschaftsschule Schweinfurt geschafft. Sie erhielten ihre Zeugnisse und Urkunden als "Staatlich geprüfte Wirtschafter für Landbau" aus den Händen von Landrat Florian Töpper und Schulleiter Herbert Lang. Semestersprecher Peter Reitz aus Obersfeld (Lkr. Main-Spessart) lobte das Schulangebot: "Es war eine unglaubliche Zeit, die wir niemals missen möchten. Wir sind für das Unternehmersein bestens gerüstet." "Sie waren eine Klasse für sich", lobte Schulleiter Herbert Lang das Abschluss-Semester. Aus Anlass des 95. Geburtstages der Landwirtschaftsschule gab es für jeden Teilnehmer der Feier ein "Wasserschutzbrot".

Lehrfahrten

Lehrfahrt nach Tschechien, Polen und Sachsen 2020

Seit 2009 fahren das erste und dritte Semester der Landwirtschaftsschule Schweinfurt gemeinsam mit dem Schulleiter und den beiden Semesterleitern nach bestandenen Prüfungen für drei bis vier Tage in die Ferne. In diesem Jahr führte sie uns nach Tschechien, Polen und nach Sachsen. Fünf außerordentliche Betriebe in vier Tagen. Humor kam nicht zu kurz – und dies auch trotz Corona.
Unternehmensführung in der Praxis

Der erste Besichtigungsbetrieb nahe Cheb (deutsch Eger) bewirtschaftet mit 3.000 Hektar genauso viel wie unser gesamtes Abschluss-Semester zusammen (Ø 185 ha). Was sollten wir da außer Frust ernten? Auf den ersten Blick ist diese Frage sicher berechtigt. Die Produktionskosten sind auf Grund größerer Einheiten hier geringer als in Unterfranken. Andererseits sind Großbetriebe auf Arbeitskräfte angewiesen. Aber Cheb ist eine Stadt in Böhmen, die seit fünf Jahren boomt. "Deshalb will jetzt hier keiner mehr gerne in der Landwirtschaft arbeiten", so der deutsche Betriebsleiter. Zudem ist die fachliche Ausbildung oft ein Problem. Dies hören die Absolventen während der Lehrfahrt immer wieder und wissen, dass in diesem Bereich die eigenen Unternehmen gut aufgestellt sind.

David Zelinka bewirtschaftet an der Grenze zu Sachsen mit drei Mitarbeitern 170 Mutterkühe auf 500 Hektar Grünlandfläche. Die Angusrinder werden auch in der eigenen Hotelgaststätte vermarktet. 60 % der Gäste kommen aus Deutschland, 40 % sind Tschechen.

Die weiteren Besichtigungsbetriebe waren in Wiazow (nahe Posen, Polen), Schöpstal (nahe Görlitz) und eine Agrargenossenschaft nahe Kriebstein bei Chemnitz.

Wir lernten fünf imponierende Betriebsleiter kennen und bekamen Einblick in die Betriebsführung ihrer Großbetriebe von 2000 bis 8000 Hektar.

Was können wir da lernen? Vielleicht helfen einige Aussagen der Betriebsleiter.

  • eigener Mähdrescher lohnt nicht wegen sehr kurzer Erntezeit (Eger)
  • überwiegend Gebrauchtmaschinen im Einsatz
  • Flächentausch problemlos (Schöpstal)
  • produktionstechnisches Können entscheidet über Betriebserfolg

Dass Entbehrungen, Belastungen und persönlicher Verzicht in den Anfangsjahren den Weg zu ihrem unternehmerischen Erfolg pflasterten, wurde ganz schnell jedem Studierenden klar.

Natürlich kam auch die Kultur nicht zu kurz.

Stadtrundfahrten in den prachtvollen Städten Prag, Breslau und Görlitz standen auf dem Plan. Die Besichtigung der Friedenskirche in Swidnica (Schweidnitz) und eine Wanderung auf der Felsformation Bastei im Nationalpark der Sächsischen Schweiz rundeten das Programm ab.

Mehrere Personen stehen im Außenbereich eines landwirtschaftlichen Betriebs

Betriebsbesuch

Personen im Innenraum der Friedenskirche

Friedenskirche

Person in Schutzkleidung steht vor Personen in Bus

Corona-Kontrolle

Lehrfahrt 2019: Aus der Vergangenheit lernen - Zukunft gestalten

"Europa: Aus der Vergangenheit lernen - Zukunft gestalten" - unter diesem Motto stand die Abschlussfahrt der Landwirtschaftsschule Schweinfurt im März 2019. Seit 2009 fahren das erste und dritte Semester gemeinsam mit dem Schulleiter Herbert Lang und den beiden Semesterleitern Joachim Dömling und Reinhard Bischoff zum Semesterende für drei bis vier Tage in die Ferne. 2019 ging es nach Brüssel und ins benachbarte Frankreich.
Dr. Jürgen Weis, Attaché an der ständigen deutschen Vertretung in Brüssel und zuständig für Landwirtschaft, stellte dar, wie in Brüssel Entscheidungen getroffen werden. Ohne Kompromiss könne es keine Einigung zwischen den 28 Staaten geben.
Unterschiedliche Interessen

Kommission, Rat und Parlament müssten als "Triangel" zu einer Entscheidung kommen. Dabei sei es mitunter für Deutschland selbst erst einmal nicht leicht, einheitliche Positionen darzustellen, da die Interessen von einzelnen Bundesländern sich durchaus unterscheiden.

Agrarpolitik aus erster Hand
Klaus Berend, Referatsleiter in der Generaldirektion für Pestizide und Biozide an der Kommission, stellte den Ablauf der Zulassung eines Pflanzenschutzmittelwirkstoffes in der EU dar. Die Zahl der in der EU zugelassenen Wirkstoffe sei von 2011 bis 2017 um circa 20 % gestiegen. In Deutschland verringerten sich dagegen die zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Der Grund: die langwierige Überprüfung von bereits im EU-Ausland anerkannten Mitteln. Katrin Maria Rudolf von der Generaldirektion Politikperspektiven gab am Ende der Fachvorträge noch einen Ausblick auf die nächste Agrarreform.
Eine Führung durch das Europäische Parlament beendete den offiziellen Teil in Brüssel.
Betriebsbesichtigung bei ehemaligem Straubinger

In Frankreich besichtigten wir einen Landwirtschaftsbetrieb nördlich von Paris in der Picardi. Er bewirtschaftet 250 Hektar. Der ursprünglich aus Straubing stammende Florian Strube führt diesen Betrieb seit 2007. Wir erfuhren zahlreiche Besonderheiten der französischen Landwirtschaft. So ist es hier bereits seit sieben Jahren verpflichtend, vor jeder Sommerung eine Zwischenfrucht anzubauen. Es existiert in Frankreich ein sehr strenger Pächterschutz, und der Pachtmarkt ist staatlich eng reglementiert, so dass selten über 250€/Hektar Pacht gezahlt werden. Andererseits wird beim Verkauf landwirtschaftlicher Fläche diese zunächst an eine staatliche Stelle zwischenveräußert und von hier nach einem bestimmten Schlüssel an Landwirtschaftsbetriebe veräußert. Die Regierung möchte zukünftig eine strikte Trennung von Beratung und Verkauf im Pflanzenschutzbereich durchsetzen. Wirtschaftliche Zwänge und geringe Gewinnmargen sind hingegen ähnlich wie bei uns, ebenso Auflagen zum Schutz des Grundwassers.

Was können wir da lernen? Vielleicht helfen einige Aussagen von Betriebsleiter Florian Strube:

  • Man muss neue Entwicklungen erkennen und annehmen. Wichtig ist der Kontakt zu Nichtlandwirten – Florian Strube hat bisher noch keine schlechten Erfahrungen mit Nichtlandwirten machen können.
  • Man muss sich immer selbst einbringen – Florian Strube ist vor Ort anerkannt und respektiert, Mitglied im Vorstand einer Vermarktungsgesellschaft

Die Entscheidung seines Vaters 1989 in Frankreich einen Betrieb neu zu gründen, hat die Familie nie bereut.

Verdun

Verdun – eine Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Innerhalb von neun Monaten gab es 300.000 Tote auf beiden Seiten. In der Gedenkstätte ist heute noch alles erlebbar und gleichzeitig unfassbar. Hier wird auch jedem bewusst, wie wichtig und wertvoll die heutigen Beziehungen zu unseren westlichen Nachbarn sind. Verdun - ein Ergebnis, wenn man Europa einfachen Lösungen überlässt. Die Besichtigung der Gedenkstätte war der denkwürdige Abschluss unserer Lehrfahrt.

Wichtige Themen

Biodiversität

Studierende analysieren Biodiversität auf ihren Betrieben

Insekt auf Blüte
Fünf Studierende des zweiten Semesters erarbeiteten im Sommer 2019 im Rahmen ihrer Semesterarbeit Möglichkeiten, um die Biodiversität im heimischen Betrieb zu verbessern. Zunächst analysierten sie die Ist-Situation. Ziel ist, die biologische Vielfalt zu steigern. Dies geschieht durch insektenfreundliche Maßnahmen im Flächenmanagement wie die Aufwertung von Stilllegungsflächen, durch Ansaat von Honigweiden im Greeningbereich, die Gestaltung von Biotopverbunden durch Gewässerrandstreifen bzw. Feldrandstreifen und vor allem die Schaffung von Blühflächen. Neben den gewonnenen Erkenntnissen zur Anlage und den positiven Wirkungen auf Insekten stand die Öffentlichkeitswirkung im Vordergrund. Artikel zur Aktion erschienen in der Saalezeitung und in der Mainpost. Viele Gespräche führten die Studierenden mit Ortsansässigen, Spaziergängern und Touristen.

Biodiversität in den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge

Wertewochen

5. Wertewoche an der Landwirtschaftsschule Schweinfurt: Das Gespräch als Königsweg

2019 fand bereits die fünfte Wertewoche an der Landwirtschaftsschule Schweinfurt statt. Das Thema lautete "Dialog mit der Gesellschaft". Die Studierenden haben sich für diese zwei besonderen Tage vorab im Unterricht gut vorbereitet. Ziel der Veranstaltung sollte sein, das eigene betriebliche Handeln zu reflektieren, sich selbst an der Nase zu fassen und eingefahrene Verhaltensmuster zu überdenken.
Auch der landwirtschaftlichen Erzeuger übernimmt Verantwortung für die Ressourcen und die Wertschätzung der eigenen Nahrungsmittel. Die Studierenden der Hauswirtschaftsschule bekamen einen Einblick in die landwirtschaftliche Produktion von Lebensmitteln. Die Verbraucherseite sollte das tägliche Umgehen mit den Lebensmitten kritisch hinterfragen und manches Konsum-Verhaltensmuster überdenken.
Schwieriger Dialog

Der Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern ist derzeit schwierig. Viele Abläufe in der landwirtschaftlichen Produktion sind den Verbrauchern heute unbekannt und schüren eine gewisse Skepsis und Misstrauen. Dabei kann ein einfacher Dialog helfen, Verständnis auf beiden Seiten aufzubauen.

Verständnis für den Anderen signalisieren und sachlich bleiben

Für den Schulleiter Herbert Lang ist deshalb das Gespräch der Königsweg, um füreinander Verständnis zu wecken. Um die angehenden Landwirtschaftsmeister auf diese Dialoge vorzubereiten, wurde Peter Berndgen von "agro-kontakt", einer Agentur für Public Relations und Marketingkommunikation, eingeladen. Gemeinsam mit den Studierenden der Landwirtschaftsschule Schweinfurt und des Lehrganges "Qualifizierung in der Hauswirtschaft" erarbeitete er die wichtigsten Kommunikationsregeln. Die wohl wichtigsten Punkte für ein gutes Gespräch sind, Verständnis für den Anderen zu signalisieren und während des Dialogs sachlich zu bleiben. Sollten doch die Emotionen hochkommen, so ist es meistens sinnvoller das Gespräch abzubrechen oder zu verschieben.

Personen stehen sich gegenüber, weitere sitzen mit etwas Abstand im Kreis um die Gruppe
Beispiel Kühe melken
Ausgestattet mit diesen Informationen begaben sich die Studierenden der Landwirtschaftsschule in den Dialog mit den angehenden Hauswirtschafterinnen. Bereits bei diesen Dialogen im kleinen Rahmen verdeutlichte sich, dass sich viele Missverständnisse im offenen Gespräch schnell aus der Welt schaffen lassen. Zum Beispiel beschäftigte sich eine Gruppe mit dem Thema Kühe melken. Dazu hatte die angehende Hauswirtschafterin Carolin Schneider folgende Frage: "Wieso nehmt ihr den Kühen ihre Kälber weg? Ich möchte doch auch nicht, dass mir mein Kind weggenommen wird."

Im Gespräch erfuhr sie, dass

  • die Rinder die Bindung zu ihren Kälbern erst nach der Geburt aufbauen, also ihre Kälber auch nicht vermissen, wenn man ihnen diese direkt nach der Geburt wegnimmt.
  • eine Milchkuh ca. 30 Liter Milch am Tag gibt, ein Kälbchen aber nur ca. 8 Liter pro Tag trinken kann. Damit ein Kuheuter gesund bleibt ist es jedoch elementar wichtig, dass es leer gemolken wird. Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb rentabel wirtschaften möchte, muss er eben entsprechend viel Milch verkaufen, um wettbewerbsfähig zu sein.
Erlebnis Bauernhof

Den Abschluss des zweiten Tages bildete die Vorstellung des Konzeptes "Erlebnis Bauernhof" von Ute Leyh aus Rentweinsdorf und Michaela von den Linden aus Oberaurach. Beide Frauen sind Erlebnisbäuerinnen und bieten Veranstaltungen rund um das Thema Bauernhof für Schulklassen, Kindergeburtstage, Eltern-Kind-Gruppen und reine Erwachsenen-Gruppen an. Auch in dieser Arbeit zeigt es sich, dass der offene Dialog das Mittel der Wahl ist, um Berührungsängste zu nehmen und dem Verbraucher die heutige Lebensmittelproduktion wieder näher zu bringen.

Verändertes Bild vermitteln

Leyh bekräftigte gerade die Landwirte, die Höfe für Besucher zu öffnen und die Vorgänge auf einem solchen Betrieb zu erklären. "Wir haben nicht mehr klassisch eine Kuh, drei Schweine und fünf Schafe auf jedem Betrieb. Wir haben uns spezialisiert und sind Fachexperten in unserer jeweiligen Branche geworden. Dieses neue Bild müssen wir den Verbrauchern mitteilen", so Leyh. Von der Linden ergänzte: "Geht es den Tieren schlecht, so geht es auch dem Landwirt schlecht."

Emotionen und Erinnerungen

Beide Frauen warben für einen offenen Austausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern. In ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern und Erwachsenen am Hof erleben sie immer wieder Situationen, in denen sich auch die Eltern der Kinder öffnen und ungezwungene Fragen stellen. Gerade die Kinder lieben es, bei den Tieren zu sein und das Hofleben hautnah zu spüren. "Wir haben genug positive Emotionen und unvergessliche Erinnerungen für die Kinder auf dem Hof, wir müssen sie nur selbst wieder wahrnehmen und unser tägliches Leben wieder als etwas Besonderes erfahren", sagte Leyh. Sie habe oft Kinder, die sich nach der Geburtstagsparty überwältigt bei ihr für den besten Geburtstag ihres Lebens bedanken.

Erzeuger-Verbraucher-Dialog

Beeindruckt von dem energiegeladenen Vortrag der beiden Erlebnisbäuerinnen, resümierten die Studierenden den Tag. Ihr Fazit: Es werde einen Erzeuger-Verbraucher Dialog geben müssen, damit sich beide Seiten wieder annähern. Verständnis für die jeweils andere Seite sowie eine sachliche Diskussion ohne emotionale Vorwürfe seien wichtige Bedingungen, damit dieser Dialog in Zukunft besser gelinge.

Wertewoche zur Biodiversität: Erzeuger-Verbraucher-Dialog 2018/19

Blühende Wiese

© K. Marzini

Im Lehrplan der Landwirtschaftsschule Schweinfurt ist der Erzeuger-Verbraucher-Dialog ein wichtiges Thema. Deshalb findet seit einigen Jahren eine Wertewoche statt. Hintergrund: Verbraucher und Landwirte kommen seltener in Berührungen, daher nehmen die Studierenden den Informationsaustausch selbst in die Hand. Im Unterricht diskutieren sie im 1. und 3. Semester in der Öffentlichkeit stehende Brennpunkte wie Tierwohl, die Bedarf von Pflanzenschutzmitteln, die Bedeutung einer regionalen Vermarktung oder die gute Qualität unserer Lebensmittel.

Die Wertewoche im Überblick:

  • Die Studierenden lernen in diesem Rahmen, ihr landwirtschaftliches Handeln gegenüber dem Verbraucher zu erklären und die Hintergründe für bestimmte Vorgehensweisen aufzuzeigen. Es geht darum, den Beitrag der bäuerlichen Landwirtschaft für den Natur- und Artenschutz sowie den Erhalt unserer Kulturlandschaft bewusst zu machen.
  • Die Teilnehmerinnen des Lehrgangs "Qualifizierung in der Hauswirtschaft" spiegeln die Ansichten von Verbrauchern. Sie werden ebenfalls auf einen Dialog mit der Landwirtschaft vorbereitet. Zudem war Biodiversität ein Thema im Unterricht.
  • Höhepunkt der Wertewoche ist ein Erzeuger-Verbraucher-Dialog. Angehende Landwirtschaftsmeister diskutieren mit den Verbraucherinnen des Lehrgangs "Qualifizierung in der Hauswirtschaft".
Biodiversität im Fokus

Die vierte Wertewoche widmete sich der Biodiversität. "Der Verlust an Artenvielfalt geht jeden an und macht uns ärmer", so Herbert Lang, Leiter des AELF Schweinfurt. Jeder und jede sei gefordert. Lang stellte klar: "Aufgeräumte und versiegelte Flächen sind genauso schädlich wie intensive Landwirtschaft." Er hoffe, dass die jungen Menschen zu einer aktiven, kritische Generation heranwüchsen, die eine nachhaltige, ressourcenorientierte Landwirtschaft betreibe und die Artenvielfalt fördere. Zunehmend mehr Landwirte beteiligen sich nach Langs Aussage am Kulturlandschaftsprogramm und legen Blüh- oder Gewässerrandstreifen an. Diese blühenden Flächen seien ein Schritt, um der Entfremdung zwischen Landwirten und der Bevölkerung etwas entgegensetzen.

Unordnung bietet Lebensraum.

Anna-Katharina Paar von der Öko-Modellregion Oberes Werntal stellte ihre Initiative vor und warb für die Aktion "Blühpate", in der jeder eine Patenschaft für blühende Flächen übernehmen könne. Kornelia Marzini, Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, stellte geeignetes Saatgut vor und gab Anbautipps für Blühwiesen und Co. Egal ob auf dem Acker oder im Garten, großflächige Monokulturen und aufgeräumte Felder oder Beete böten wenig Lebensraum für Tiere. Bienen, vor allem die Wildbienen, bräuchten Pollenvielfalt. "Unordnung biete Lebensraum", betonte sie und motivierte: "Eine Bewusstseinsänderung betrifft die gesamte Gesellschaft. Aber Sie sind vor Ort. Überzeugen und argumentieren Sie!"

Themen und Ergebnisse der Diskussion

  • Viele Landwirtschaftsschüler haben Blühflächen oder Gewässerschutzstreifen. Damit liegen sie im Trend:
    • Im Landkreis Schweinfurt gab es 2018 bereits 300 Hektar Blühflächen, im Landkreis Haßberge 350 Hektar - Tendenz steigend.
    • Daneben wurden Schutzstreifen ausgewiesen.
    • Auch die Flächen, die ökologisch bewirtschaftet werden, steigen (5.810 Hektar Schweinfurt, 4.450 Haßberge)
  • Studierende der Land- und Hauswirtschaft diskutierten in Kleingruppen die Fragen: Wie betrifft der Rückgang der Biodiversität jeden einzelnen (Landwirte und Privatpersonen)? Wie können Partner gefunden werden, um gemeinsam etwas zu erreichen? Zum Beispiel sind Imker von Haus aus an Blühpflanzen für ihre Bienen interessiert, Jäger schätzen Flächen, in denen sich Rebhühner oder Hasen zurückziehen können.
  • Was bedeutet eigentlich Mulchen? Das war eine Frage, die geklärt wurde. In der Landwirtschaft ist der Begriff gängig, Privatpersonen stellen sich dagegen oft etwas anderes darunter vor.
  • Studierenden regten an, mit ihren Verpächtern zu reden. Manche hätten da noch einen anderen Ordnungssinn. Ihnen müsse der Zusammenhang erklärt werden.
  • Landwirtschaftsschüler Christoph Sterk erzählt von seinem Insektenhotel für Wildbienen im Garten.
Resümee

Landwirte und Privatpersonen sitzen in einem Boot. Jeder kann einen Beitrag leisten: Landwirte mit Blühflächen auf landwirtschaftlicher Fläche, Verbraucher durch Hecken und Blühmischungen im Hausgarten. Das Thema ist wichtig - die Kommunikation sollte weiter geführt werden.

Risikovorsorge - was tun, wenn der Betriebsleiter ausfällt?

Risikovorsorge - was tun, wenn der Betriebsleiter ausfällt?
Krankheit, Unfall, Tod: Schicksalsschläge, die einem aus dem Leben reißen. In einem landwirtschaftlichen Betrieb kann der Ausfall eines Familienmitglieds, vor allem des Betriebsleiters, zu großen Schwierigkeiten führen und die Existenz bedrohen. Um für den Ernstfall bestmöglich vorgesorgt zu haben, veranstaltete die Landwirtschaftsschule Schweinfurt für Eltern und Studierende des 3. Semesters ein Seminar zum Thema "Betriebliches Krisenmanagement". Ein langjähriger Betriebshelfer berichtete von seinen Erfahrungen und den verschiedenen Notfälle, zu denen er bereits gerufen wurde. Seine Aufgabe am Betrieb ist es, die täglich anfallende Arbeit zu übernehmen. Dies wird oft durch fehlende Informationen wie Futterration, Sicherungen, Zugangsdaten, Telefonnummern etc. erschwert.

Doch welche Handlungen sind rechtlich überhaupt möglich? Über die vielfältigen Geltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten von Vollmachten und Verfügungen referierte der Schweinfurter Notar Dr. Dörnhöfer. Wie wichtig auch eine rechtlich abgesicherte Vorsorge ist, wurde den Anwesenden recht schnell bewusst. Auch das Thema Versicherungen wurde mit den jungen Unternehmern besprochen. Welches Risiko lässt sich sinnvoll absichern? In einer Gruppenarbeit wurde ein betrieblicher Notfallplan erarbeitet. Ob der Ernstfall eines Tages eintritt, kann nie vorausgesagt werden. Die Studierenden wissen nun jedoch zumindest, wie sie den betrieblichen Ablauf sichern können.

Der Thesenanschlag zu Schweinfurt

Der Thesenanschlag zu Schweinfurt: Anregung durch Reformationsjubiläum

Zettel mit Thesen an einer HolztürZoombild vorhanden

Der Thesenanschlag zu Schweinfurt

500 Jahre sind vergangen, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Historisch nicht verbürgt, aber ein Ereignis, das die Welt veränderte. Das Reformationsjubiläum animierte unser Abschluss-Semester, 14 Thesen für eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln und in der Abschlussfeier öffentlich an die Tür zu nageln.
Wir erhalten und gestalten unsere Kulturlandschaft und bringen uns im Dorfleben ein

Rund 80 % von uns nehmen an Vertragsnaturschutzprogramm und Kulap teil, 100 % der Studierenden gestalten das Dorfleben aktiv.

Diese 14 Thesen sind ihnen Verpflichtung und Ansporn für ihr weiteres Berufsleben:

Wir stehen für nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft

Die sinkenden Nitratwerte in den Trinkwasserbrunnen gehen auch auf unsere Arbeit zurück.

Wir schonen die Umwelt durch gute fachliche Praxis

Wir wissen um die Zusammenhänge in der Natur.

Wir fördern die Biodiversität durch Brach- und Blühflächen

85 % der Studierendenbetriebe haben diese Maßnahmen.

Wir schaffen und erhalten Arbeitsplätze

Mehr als ¼ der Studierenden beschäftigen Mitarbeiter. Dazu kommen noch die Familien-AK und die vor- und nachgelagerten Bereiche.

Der verantwortungsvolle Umgang mit unseren Tieren, vom Kalb bis zum Schlachttier, ist Grundlage unserer Rinderhaltung

Keine weiten Wege, viele haben den Tiertransportschein.

Rinderhaltung trägt zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft maßgeblich bei

Sinnvolle Grünlandpflege geht nur mit Raufutterfresser.

Einblicke in den Stall ermöglichen, unsere Erzeugung ist transparent

Tage des offenen Hofes, Besichtigung nach Anmeldung.

Durch Einsatz von Hornlosbullen kann auf das Enthornen der Kälber verzichtet werden

50 % der Studierenden setzen Hornlosbullen ein.

Wir versorgen die Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen und preiswerten Lebensmitteln

Unsere Produkte stehen für Qualität.

Wir müssen etwas ändern und der Bevölkerung die Tätigkeit der Landwirtschaft wieder näher bringen

Wir stehen für Kommunikation und Offenheit.

Wir müssen etwas ändern, da ein Miteinander angenehmer ist als ein Gegeneinander

Wir sind nur wenige im Ort, deshalb ist Zusammenhalt wichtig.

Wir denken und handeln in Verantwortung für Generationen

Auch wir wollen, dass unsere Kinder in einer lebenswerten Umgebung aufwachsen.

Wir müssen etwas ändern, da die Akzeptanz in der Bevölkerung verloren geht

Güllefahren am Wochenende in Ortsnähe muss nicht sein.

Wir engagieren uns schon. Sie auch? Das Abschluss-Semester 16/17

Besondere Seminare

Erfolgreich auftreten

Besonderer Seminartag

"Erfolgreich auftreten" lernen die Studierenden jeweils an einem besonderen Seminartag. Der Inhalt einer Rede oder eines Beitrages zählt nur 7 % der Gesamtwirkung! Das Äußere wie Körpersprache oder Kleidung machen 55 % der Wirkung aus und die Stimme zählt 38 %. Durch Rollenspiele und Übungen zum Blickkontakt, zur Gestik und zur Satzmelodie finden die Studierenden diese doch überraschende Aussage schnell bestätigt.
Learning by Doing
Beim gemeinsamen Mittagessen werden die Knigge-Regeln angewandt. Gute Manieren geben Selbstbewusstsein, ob beim Geschäftsessen oder den Schwiegereltern. "Mehr aus Ihrem Typ machen" heißt es für die angehenden Meisterinnen und Meister am Nachmittag. Eine Farb- und Typberatung unterstreicht den eigenen Typ und fördert ein sicheres Auftreten.
Seminarteilnehmer 2019

Seminarteilnehmer 2019

Teilnehmer des Seminars 2018 vor dem Hotel Roß in Schweinfurt

Seminarteilnehmer 2018

Teilnehmer 2017

Seminarteilnehmer 2017

Agrichange - virtueller Flächentausch

Flurbereinigung im Klassenzimmer

Der Erfolg von Verfahren zum freiwilligen Nutzungstausch hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: Die Verbesserungen müssen für den Einzelnen sofort, das heißt noch während der Planungsphase, ersichtlich und nachvollziehbar sein, und jeder möchte in gleichem Maße profitieren. Im Programm Agrichange sind Tauschoperationen, die vom Landwirt selbst am Laptop durchgeführt werden, in ihren ökonomischen Auswirkungen sofort ersichtlich.
Simulations-Software AgriChange

Für die Studierenden bringt die Simulations-Software AgriChange den Gewinn, dass durch kooperatives Verhalten nicht nur die wirtschaftliche Situation des eigenen Betriebes, sondern auch die der gesamten Gemeinschaft verbessert wird. Wirtschaftliches Denken wird mit Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick verbunden.

Im Unterricht wird in Gruppenarbeit jedem Studierenden ein virtueller Betrieb zugeteilt, für den er im nachfolgenden Tauschverfahren verantwortlich ist. Ziel ist es, durch geschickten Flächentausch für jeden Einzelbetrieb und für die gesamte Gruppe möglichst hohe wirtschaftliche Effekte durch Reduktion von Fahrtstrecken und Einsparungen an Arbeitszeit zu erzielen.

Bilder: Ergebnisse

Flächen mit gleicher Farbe gehören jeweils dem gleichen Betrieb

Persönlichkeitsbildung am Volkersberg

Persönlichkeitsbildung hat in der Landwirtschaftsschule Tradition.

Der Erfolg zeigt sich in der großen Zahl von Absolventen, die in öffentlichen Ämtern, in Organisationen und Verbänden, in der Gemeinde und im Betrieb vorbildlich wirken. Unsere Studierenden haben die große Bedeutung von sozialer und persönlicher Kompetenz von Anfang an erkannt und kehren jedes Jahr begeistert vom einwöchigen Persönlichkeitsseminar an der Landvolkshochschule am Volkersberg zurück.

Studierender wird von mehreren anderen gehalten und greift nach Klebestift am Fußboden.Zoombild vorhanden

Gemeinsam zum Ziel

"Wir fuhren als Klasse dorthin und kamen ohne Ausnahme als Team zurück", erinnert sich Ralf Schmitt.
Alexander Bönig erinnert sich an das Abenteuer Hochseilgarten: „Der Höhepunkt war der ,Sprung ins Nichts'. Auf einem etwa 30 cm breiten Pfahl in 10 bis 12 Metern Höhe stand man freihändig und musste ins Freie springen. Sicherheit gaben dabei die eigenen Studienkollegen. Hier war eine ordentliche Portion Überwindung gefordert. Vertrauen in die Anderen erzeugte eigenen Mut.“
Einen Vortrag halten? Kein Problem!

Ein Schwerpunkt des Seminars in Volkersberg ist die rhetorische Arbeit. Die Studierenden erlangen Sicherheit und Selbstbewusstsein, wenn es darum geht vor einer Gruppe zu sprechen. Eine gute Kommunikationsfähigkeit und ein sicheres Auftreten helfen in vielen Lebenslagen. Hier gilt es zunächst, die Hemmschwelle zu überwinden. Jeder kennt das mulmige Gefühl, wenn alle Augen auf einen gerichtet sind. Der verantwortungsvolle Umgang miteinander steht in Volkersberg ganz oben.