Absolventenportrait 2022
Interview mit Julian Münch, Jungunternehmer und Absolvent der Landwirtschaftsschule

Jedes Jahr bildet die Landwirtschaftsschule Schweinfurt eine Gruppe gelernter Landwirte als Wirtschafter für Landbau und Bachelor Professional aus. Damit bereitet sie die jungen Leute zum einen auf die landwirtschaftliche Meisterprüfung und zum anderen auf ihren beruflichen Alltag als Kopf eines modernen landwirtschaftlichen Betriebes vor.

Seit Eröffnung der Schule am 06. November 1922 waren es 2370 Absolventen, die hier für alle Herausforderungen der Zukunft das nötige Fundament bekommen haben, um ihren Betrieb in die nächste Generation zu führen.

Portrait MünchZoombild vorhanden

Julian Münch

Julian Münch ist so ein Beispiel. Als einziger Milchviehhalter in der Gemeinde Wasserlosen betreibt der 23-Jährige zusammen mit seinen Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb in Greßthal mit Milchvieh und Ackerbau. Münch ist in den elterlichen Betrieb hineingewachsen und hat sich trotz der vielen Fragezeichen, die seine Generation treffen, auch beruflich für die Laufbahn als landwirtschaftlicher Unternehmer entschieden. Nach dem Schulabschluss absolvierte er seine 3-jährige Lehrzeit, war dafür wechselweise auf einem Milchviehbetrieb in der bayerischen Rhön und am eigenen Hof.
Vor fast 15 Jahren stellte der Betrieb auf Bio um. Damals hat noch Münchs Vater Martin diese Entscheidung getroffen. Der Standort ist günstig für Bioproduktion. Es gibt die nötige Infrastruktur, das Wissen vor Ort. So wird z. B. die Milch zur nächstgelegenen Molkerei in Würzburg geliefert, überwiegend zu Produkten der Marke Bio Frankenland verarbeitet und somit regional vermarktet. 2019 entschied sich Julian Münch dann für den Meisterkurs an der Landwirtschaftsschule Schweinfurt. Wir haben ihn besucht und zu seinen Gründen und Erfahrungen befragt:
Herr Münch, was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben von der Zeit in der Landwirtschaftsschule Schweinfurt?

Ganz klar die Klassenkameraden! Der Austausch war eine extrem positive Erfahrung.

Obwohl nicht alle Bio-Bauern waren?

Davon hat man nichts gemerkt. Für uns alle war Vernetzung in Unterfranken total wichtig. Gerade weil wir nur so wenige sind! Die geringe Studenten-Anzahl im Zusammenhang mit den stark unterschiedlichen natürlichen Voraussetzungen innerhalb Unterfrankens macht den Betrieb aller Mitstudierenden zu einer Rarität. Von Aschaffenburg über den Spessart nach Rhön-Grabfeld oder das Wernecker Becken beziehungsweise der Ochsenfurter Gau: Da sind die natürlichen Voraussetzungen sehr verschieden, wie Ertragsfähigkeit oder klimatische Unterschiede. Der daraus entwickelte Produktionsschwerpunkt macht die Betriebe einzigartig.

Klingt ein bisschen nach Pioniergeist...

Ja, wenn man bedenkt: Nur 22 Landwirtschafts-Meister aus ganz Unterfranken! Irgendwie bedrückend, aber gerade deswegen auch so spannend. Schade nur, dass wegen Corona viel verschoben werden musste oder ganz gefehlt hat. Praktische Fähigkeiten können eben nur eingeschränkt über Kamera und Bildschirm übermittelt werden.

Und die Schule selbst. Welche Argumente sprechen für den Besuch der LWS Schweinfurt?

Also die Lehrer natürlich. Produktionstechnik zum Beispiel: Die sind voll dabei und haben auch eigene Praxiserfahrung. Das war mir wichtig, weil die auch wissen, wovon sie reden und die Tipps auch wirklich umsetzbar sind.

Und dass man sich jetzt betriebswirtschaftlich auskennt. Ohne das kann man heute so einen Betrieb nicht führen. Also der ganze Lehrplan an sich war wichtig. Steuern, Sozial- oder Agrarpolitik, Naturschutz- & Landschaftspflege, Rechtslehre, Tierschutz- & Tiergesundheit, Mitarbeiterführung und Rhetorik.

Dann die räumliche Nähe. Die Öko-Schule in Landshut wäre für mich ja auch eine Option gewesen. Aber mit den örtlichen Kontakten ist man hier besser aufgehoben.

Ja und insgesamt der rege Austausch, das fachliche. Jeder muss ja schauen, dass er mit dem weiterkommt, was er hat. Wir sind hier kein Grünlandgebiet wie das Allgäu wo die Landwirtschaft vor allem auf das Halten von Raufutterfressern fußt. In Unterfranken gibt es ein breiteres Spektrum an Weiterentwicklungsoptionen: Anbau von Feldgemüse, Spargel oder Weinbau, mit deren Veredlung sowie Vermarktung.

Welche betriebliche Entwicklung verknüpfen Sie mit dem Besuch der LWS?

Also eigentlich ein neuer ausgesiedelter Milchviehstall. Das war das Thema meiner betriebswirtschaftlichen Abschlussarbeit mit dem Hintergrund, die bestehende Wirtschaftsweise weiter zu verbessern. Vor allem den Tieren noch bessere Haltungsbedingungen bieten zu können, die aktuelle Hofstelle bzw. den Ort zu entlasten, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und den Tieren Weidezugang zu ermöglichen – auch wenn die örtlichen Gegebenheiten (die Autobahn A7, den geplanten Stromtrassen SüdLink und P43, die kleinen Flächenstrukturen sowie die mageren Bodenverhältnissen) den Umfang der Weideflächen stark begrenzen. Aber mir wurde während der Schule bewusst, dass es in der jetzigen Lage extrem schwierig ist, in die Tierhaltung zu investieren.

Sie haben sich also in Ihrer Zeit an der LWS intensiv mit dem Bauvorhaben auseinandergesetzt - und es dann mit dem neuen betriebswirtschaftlichen Wissen verworfen?

Ja. Der Milchvieh-Stall liegt jetzt auf Eis. Aktuell schweben wir ja, was die Politik betrifft, total in der Luft. Und zusätzlicher Arbeitsanfall muss irgendwie gedeckt werden. Über die Amortisierungszeit von 25 Jahren… Was mach ich denn schon in nur 10 Jahren? Bin ich gesund? Meine Eltern müssten auf jeden Fall voll dabei bleiben, sonst wäre die Arbeit nicht zu stemmen. In der Tierhaltung bleibt es halt spannend, was noch alles auf uns zukommt. Zum Beispiel die kommende Verpflichtung zur Weidehaltung wird eine große Herausforderung für unseren Betrieb, da sich unser Stall mitten im Ort befindet.
Hoffentlich passiert durch die aktuellen Energiepreis-Entwicklungen auch etwas Positives für uns Landwirte (wenn schon ein grüner Minister Öl bei den Saudis kauft…) Und falls die Tierhaltung wegfallen würde, würde sich der Betrieb/Wirtschaftsweise grundsätzlich ändern müssen. Eine fehlende Verwertung der Kleegrasaufwüchse und der Wegfall der eigenen Wirtschaftsdünger wären für den ökologischen Ackerbau eine immense Herausforderung.

Zum Abschluss noch zu Ihrem Arbeitsprojekt: kurze Themenvorstellung, wie läuft es aktuell, welches Ziel verfolgen Sie, wie weit sind Sie in der Bearbeitung?

Bisher bauen wir für unsere Milchkühe Futtererbsen an. Damit haben wir regelmäßig Probleme, zum Beispiel bei der Ernte. Darum beschäftige mich jetzt in meinem Arbeitsprojekt mit neuen Kulturen, die bisher in unserem Familienbetrieb noch nicht angebaut werden und die Futtererbsen vielleicht ersetzen können.
Ich habe Testfelder angelegt und probiere den Anbau von Ackerbohnen, Lupinen, Sojabohnen und Linsen aus. Gerade Sojabohnen und Linsen könnten auch gut in der Humanernährung eingesetzt werden, vielleicht ergeben sich daraus Chancen in der Zukunft. Bis jetzt stehen schon die Winterackerbohnen und die Sommererbsen, Lupinen und Linsen. In der ersten Maiwoche folgen noch die Sojabohnen, weil es dann schon wärmer ist.

Geführt hat das Interview Louis Geldner, Lehrkraft an der LWS Schweinfurt
Bericht: Maria Schmitt, Presse und Kommunikation AELF Schweinfurt