Absolventenportrait Umschulung
Interview mit Christoph Sterk: Vom Informatiker zum Betriebsleiter

Jedes Jahr bildet die Landwirtschaftsschule Schweinfurt eine Gruppe gelernter Landwirte als Wirtschafter für Landbau und Bachelor Professional aus. Damit bereitet sie die jungen Leute zum einen auf die landwirtschaftliche Meisterprüfung und zum anderen auf ihren beruflichen Alltag als Kopf eines modernen landwirtschaftlichen Betriebes vor. Christoph Sterk ist so ein Beispiel.

Seit Eröffnung der Schule am 06. November 1922 waren es 2370 Absolventen, die hier für alle Herausforderungen der Zukunft das nötige Fundament bekommen haben, um ihren Betrieb in die nächste Generation zu führen. Hier zeigen wir einzelne Absolventen-Betriebe und welche Menschen dahinterstehen.

Portrait Christoph SterkZoombild vorhanden

Christoph Sterk

Erfolgreicher Umstieg und Umbau eines Betriebes
Christoph Sterk (31) aus Großlangheim ist im Alter von 24 Jahren relativ spät in die Landwirtschaft eingestiegen - und war vorher Informatiker. Der Umbau des elterlichen Betriebes von Viehhaltung zu Sonderkulturen und Direktvermarktung ist sein Ziel. Dafür hat er zuerst das "Bildungsprogramm Landwirt", kurz BiLa-Programm besucht und dann unsere Landwirtschaftsschule in Schweinfurt. Sein Jahrgang war der letzte vor der Corona-Pandemie, und auf der Abschlussfahrt wurden gerade hinter ihnen die Grenzen geschlossen.
Wir haben ihn zu seinen Erfahrungen befragt, und wie es bei ihm betrieblich jetzt weitergeht.

Interview

Herr Sterk, Sie haben sich beruflich verändert und sind in die Haupterwerbs-Landwirtschaft eingestiegen. Können Sie uns erzählen wie es dazu kam?

Eine gute Frage... Also während meiner Zeit als Informatiker hat mir die Landwirtschaft eigentlich schon immer Spaß gemacht. Ursprünglich waren aber unter uns Geschwistern eher die anderen an der Übernahme des Betriebes interessiert. Das kam dann halt anders. Meine Schwester hat in einen Milchviehbetrieb eingeheiratet, und weil es dann für hier keinen Nachfolger gab, war für mich klar: Ich mach's, aber anders als bisher. Bin dann von Viehhaltung generell weg zu Sonderkulturen wie unsere Beerensträucher und Direktvermarktung.

Ist Ihnen dieser Umstieg gelungen?

Also ja, ich würd schon sagen, dass wir das ganz gut angepackt haben, aber die Situation in der Landwirtschaft allgemein... die Medien, jetzt der Ukrainekrieg. Das macht, denk ich, allen zu schaffen. Alles, was so von außen reinprasselt. Das ist halt eher schwierig.

Welche Herausforderungen sind auf Sie zugekommen?
Also der Klimawandel war natürlich eine von vornherein bekannte Unbekannte. Für unsere Beeren ist vor allem das frühere Aufblühen ein Risiko. Die Vegetationsperiode beginnt schon ein bis zwei Monate früher, aber die Eisheiligen kommen ja trotzdem und das ist immer eine Zitterpartie. Dann kamen jetzt Herausforderungen dazu, mit denen wirklich niemand vorher gerechnet hat, wie die Coronapandemie, der extreme Preisanstieg der Rohstoffe, der Ukrainekrieg. Auch die steigenden Lohnkosten sind bei uns eine Herausforderung, weil wir ja zeitweise 40 bis 50 Saisonarbeitskräfte beschäftigen müssen und der Verbraucher diese höheren Lohnkosten nicht gern zahlen will. Und was der Handel oben aufschlägt, wird uns Erzeugern dann angekreidet.
Was ist Ihnen denn von der Zeit in der Landwirtschaftsschule Schweinfurt besonders in Erinnerung geblieben?

Ja, vor allem der gute Zusammenhalt in der Klasse. Das war ein offener und ehrlicher Austausch mit den Klassenkameraden. Ansonsten waren die Betriebsbesichtigungen immer sehr beeindruckend und die Klassenfahrten. Für meinen Betrieb war die Wirtschafterarbeit eine besondere Hilfe. Da nimmt man sich mal die Zeit, jede Zahl fünf Mal umzudrehen und schaut wirklich genau: Wo sind denn meine Schwachstellen als Betrieb, was kann und muss ich anders machen.

Können Sie sich noch an Ihr Arbeitsprojekt erinnern?

Ja klar. Das war die Arbeitsoptimierung in Strauchbeeren, also genau das, was ich jetzt mache. Alles, was ich da entwickelt hab an Unkraut- und sonstigen Pflegemaßnahmen, das setze ich jetzt gerade genau so in die Praxis um.

Mann über Büschen

Pflege

Traktor mit 4 Arbeitern auf Feld

Aussaat

Kind zieht Hacke über Feld

Handarbeit

Wurzelberg und Frau mit Handschuhen

Verarbeitung

Mann auf Hänger mit Kürbissen

Ernte

Kiwifrucht aufgeschnitten

Franken-Kiwi

Mann vor Büschen hält Beeren in der Hand

Aronia

Trüffel Nahaufnahme

Trüffel

Haben Sie zum Schluss drei gute Argumente für den Besuch der Landwirtschaftsschule in Schweinfurt?

Die hab ich. Sogar vier..

  • Die dümmsten Bauern haben NICHT die dicksten Kartoffeln
  • Für Betriebe im Haupterwerb ist die Landwirtschaftsschule ein absolutes Muss
  • Vernetzung mit anderen Betrieben
  • Und die Wirtschafterarbeit. So was macht man im betrieblichen Alltag alleine nicht, und das ist einfach Gold wert.