Lehrfahrt der Landwirtschaftsschule 2025
Von der Elbe bis an die Förde
Die viertägige Rundreise der Landwirtschaftsschule Schweinfurt durch Schleswig-Holstein war geprägt von lehrreichen Gesprächen und vielen Eindrücken. Die Reise führte die Teilnehmer durch die beeindruckende Landschaft Schleswig-Holsteins und bot einen tiefen Einblick in die moderne Landwirtschaft der Region.
Die Reise begann in Hamburg, wo die Gruppe mit einer Hafenrundfahrt in Barkassen die beeindruckende Skyline der Stadt bewundern konnte. Besonders faszinierend war der Anblick des gigantischen Containerschiffs MSC Daniela, das mit einer Länge von 366 Metern und einer Ladekapazität von 13.800 Containern zu den größten der Welt zählt. Nach der Hafenrundfahrt stand der Besuch im Miniaturwunderland auf dem Programm, wo die größte Modelleisenbahn der Welt die Teilnehmer ins Staunen versetzte.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war der Besuch der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie. Von hier aus gab es einen atemberaubenden Blick über den Hafen und die Stadt. Der Sonnenuntergang tauchte die gesamte Szenerie in ein warmes, goldenes Licht, das die Wasseroberfläche des Hafens zum Funkeln bringt. Der Abend fand Ausklang auf der wohl sündigsten Meile der Welt – der Reeperbahn.
Der zweite Tag begann mit einem Besuch bei Westerkamp-Holsteins in Hemdingen, einem Milchviehbetrieb mit 730 Kühen plus Nachzucht. Der Betriebsleiter Kim Saß-Hauschildt beeindruckte mit seinem Managementansatz und seiner Einstellung zur Work-Life-Balance in der Landwirtschaft. Er betonte, dass die Arbeit an sich, an seiner eigenen Person – sowohl hinsichtlich seiner mentalen als auch körperlichen Gesundheit - am meisten dem Betrieb diene. Die durchschnittliche Milchleistung von 43,2 kg pro Kuh und Tag und die jährliche Produktion von rund 9 000 000 kg Milch waren beeindruckende Zahlen, welche die Effizienz des Betriebs unterstreichen. Mit insgesamt 17 Mitarbeitern wird großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung gelegt. In Kooperation wurde ein Traineeprogramm entwickelt, welches auch überbetrieblich angeboten wird. Das Dairy Q Trainee Programm, zur Ausbildung von Herdenmanagern, vermittelt im Rahmen einer zweijährigen Fortbildung fundierte Fachkenntnisse rund um die Milchkuh.
Im Anschluss ging es zum Biolandhof Dührsen GbR in Norddeich – Kreis Dithmarschen, wo die Teilnehmer mehr über innovative biologische Anbaumethoden erfuhren. Auf rund 480 ha werden neben den klassischen Marktfrüchten auch Möhren, Rote Beete und Rot- bzw. Weißkohl angebaut. Auf großes Interesse stieß das Verfahren der Pflanzkartoffelvermehrung in Transfermulch. Auf 75 ha Fläche werden so Pflanzkartoffeln angebaut. Das bedeutet, kurz bevor die Kartoffelpflanzen den Damm durchbrechen, wird Mulchmaterial, meist Kleegras oder Grassilage, auf die Dämme aufgebracht. Dadurch wird Erosion vermindert, Wasser besser in den Dämmen gehalten, der Damm beschattet und die Infiltration erhöht. Auch die bessere Pflanzengesundheit bei den Kartoffeln ist ein Vorteil. Der Tag endete mit einem Besuch am Wattenmeer in St. Peter-Ording, wo die Gruppe die beeindruckende Natur und die Weite des Meeres genießen konnte. Die zweite Nacht verbrachten wir in Flensburg.
Am dritten Tag stand ein Besuch bei Jens Peter Messer in Stoltebüll – Kreis Schleswig-Flensburg auf dem Programm. Hier wurde die moderne landwirtschaftliche Technik und die Bewirtschaftung von rund 1.350 ha Fläche, davon 700 ha in Dänemark, vorgestellt. Die Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 5,9 MW wird sowohl mit Substrat von deutschen als auch dänischen Flächen versorgt. Durch den Einsatz von Kombilinern, welche den Transport von Maissilage und Gärrest ermöglichen, wird die in Dänemark erzeugte und gelagerte Maissilage, zur Biogasanlage nach Deutschland transportiert. Um den Nährstoffkreislauf zu schließen, wird auf dem Rückweg Gärrest für die landwirtschaftlichen Flächen in Dänemark transportiert. Besonders die Unterschiede in den politischen Rahmenbedingungen zwischen Dänemark und Deutschland interessierten uns sehr. Der landwirtschaftliche Unternehmer erklärte, dass beispielsweise das Bauen einer Güllegrube in Dänemark mit wesentlich weniger Bürokratie und kostengünstiger von statten geht.
Danach ging es weiter zum Rosémastbetrieb der Familie Wohlert ins Geestgebiet nach Silberstedt – Kreis Schleswig-Flensburg. Die Familie zeigte eindrucksvoll, wie Tierhaltung in modernen Stallungen effizient und artgerecht organisiert werden kann. In den Stallanlagen, teilweise 2023 erbaut, mit 4.700 Mastplätzen werden Holstein-Friesian Kälber gemästet. Mit Tageszunahmen von 1.400 Gramm werden die Kälber bis zu einem Schlachtgewicht von 350 kg gemästet. Im Jahr werden so rund 9 000 Schlachtkälber erzeugt. Die Kälber werden in komplett isolierten Warmställen gehalten. Die Kontrolle des Klimas erfolgt über vollautomatischer Lufteinspeisung sowohl mit Unter- als auch Oberflurabluftführung für eine exakte Regulierung, um optimale Haltungsbedingungen zu schaffen. Der Tag endete in Laboe an der Kieler Förde, wo die Teilnehmer den Sonnenuntergang über dem Wasser der Kieler Förde und das Marineehrenmal bestaunen konnten siehe Bild 6, welches den gefallenen Seesoldaten gewidmet ist.
Der letzte Tag führte die Gruppe zum Gut Rixdorf im Landkreis Plön, einem imposanten Gutshof mit einer langen Geschichte. Erbaut wurde der Hof 1737, seit 1790 gehört das Gut den Grafen von Westphalen. Neben moderner landwirtschaftlicher Technik gab es auch mit einer Länge von 99 Meter eines der längsten mit Reet gedeckten Dächern Europas zu bestaunen.
Die hofeigenen Biogasanlage mit 2,5 MW elektrischer Leistung, versorgt mit der Abwärme rund 100 Haushalte und die Getreidetrocknung des Gutes. Auf rund 1.600 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche werden neben den klassischen Marktfrüchten wie Winterraps und Winterweizen auch Erbsen und demnächst Kartoffeln angebaut. Der Betriebsleiter erklärte, wie man auch ohne elterlichen Betrieb langfristig erfolgreich in der Landwirtschaft tätig sein kann. Nach dem Besuch des Gutes stand eine Stadtführung in Lübeck auf dem Programm. Das Holstentor und die beeindruckenden Backsteingebäude der Altstadt waren ein schöner Abschluss der Reise und boten einen kulturellen Kontrast zur landwirtschaftlichen Thematik.
Wir kehrten mit neuen Ideen und Motivation zurück nach Hause. Die strahlende Sonne begleitete die Gruppe während der gesamten Reise und machte die Erlebnisse unvergesslich. Die Kombination aus praktischen Einblicken in die Landwirtschaft und kulturellen Highlights wird allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben.


